ems-Volontär Sören Hinze im Radiostudio

Kein Wunder, dass der September wie im Flug verging. Denn die ersten vier Wochen Radio-Training hatten es in sich: Interviews, Nachrichten, Beiträge mit Einspielern, gebaute und “live on tape”-Reportagen sowie Podcasts standen auf unserem Seminarplan. Unsere Tage waren lang –die eine oder andere Nacht kurz. Zum Beispiel bei Marie Röder und Carl Winterhagen. Für eine Reportage hat Carls Wecker ihn um Mitternacht aus dem Bett geklingelt. Bis zum Sonnenaufgang ist er bei einem Bücherexpress mitgefahren, um herauszufinden, wie bestellte Bücher schon am nächsten Morgen in den Buchhandlungen ankommen. Marie stand auf der anderen Seite der Verwertungskette. Morgens um 5 Uhr streifte sie sich eine orangene Warnweste über, um die Potsdamer Müllabfuhr bei der Papiertonnen-Tour zu begleiten. Doch nicht nur frühes Aufstehen hat bei uns einige Schweißperlen hinterlassen.  

Nachrichten finden, schreiben und präsentieren haben wir mit Dietz Schwiesau (MDR Sachsen Anhalt) und Britta Nothnagel (Radio Fritz) trainiert. Am Ende ihres dreitägigen Nachrichten-Seminars forderten die beiden uns heraus. Wir mussten eine eigene Nachrichtensendung „Potsdam am Mittag“ auf die Beine stellen. Nicht erlaubt: abkupfern bei Nachrichtenagenturen, Tageszeitungen oder bereits veröffentlichten Beiträgen. Stattdessen mussten unsere Nachrichten selbst recherchiert und relevant für Potsdam und die Umgebung sein. Auf der Straße wurden Umfragen eingefangen, im Volo-Zimmer glühte die Telefonleitung und ganz unterschiedliche Themen wurden in unseren Studios aufgezeichnet. Hin und wieder strapazierte die rbb-Schnittsoftware mit Tücken und Bugs unsere Nerven. 

Pilotfolgen für den eigenen Podcast

Mit Podcast-Profi Miriam Arndts (#ems6) jagten wir nicht den Neuigkeiten hinterher, sondern suchten nach unerzählten Geschichten für Storytelling-Podcasts. Unsere Streifzüge führten vom Blockbuster-Podcast „Serial“ bis zum Radioeins-Podcast „Greenhouse“. Für einige Volos eine abendfüllende Neuentdeckung. Während die eine Hälfte von uns für Radioreportagen in Berlin und Brandenburg unterwegs war, hat die andere Hälfte an einem eigenen Storytelling Podcast gearbeitet: Vier verschiedene Pilot-Folgen haben wir produziert. Fabian Severin und Jonas Wintermantel reisten dafür in die Vergangenheit eines ukrainischen Aktivisten, der jetzt in Berlin studiert. In seiner Jugend hat er sich von einer religiösen, nationalistischen Pfadfindergruppe abgespaltet, dann an der Universität in Kiew für linke Strömung engagiert, wurde deshalb der Uni verwiesen. Heute bezeichnet er sich selbst als Nonkonformist. “Sinneswandel” heißt der Arbeitstitel vom Podcast der beiden Volos.  

Apropos spannende Geschichten: Die ems wurde von Geistern heimgesucht. In den vergangenen Wochen tauchten an den ungewöhnlichsten Orten kleine Gespenster-Sticker auf. Wie von Geisterhand klebten sie an Kopfhörern, Jacken, Laptops und unter Mäusen, Telefonhörern und Schreibtischlampen (ems berichtete auf Instagram). Schnell hatte sich auch ein putziger Name für das Phänomen gefunden: Das Gesp-ems-t. Hauptverdächtig für den ausgefuchsten Streich waren die flinke Felina, Spielkind Ronja, Zauberkünstler Fabian und ich selbst –ehrlich, ich bin zwar von der Aktion begeistert, aber habe damit nichts zu tun! Sobald wir wissen, wer hinter dem Streich steckt, berichten wir auf unserem Instagram Account.  

Im Oktober erwarten uns noch drei Wochen Radiotraining. Dann starten wir in unsere erste ems-Projektwoche. Welche Aufgabe die Ausbildungsleiterinnen Katrin Röger und Neela Richter für uns vorgesehen haben –da tappen wir noch im Dunkeln. Doch als Team und mit dem Training der vergangenen Wochen sind wir bestens gerüstet für unsere erste gemeinsame, journalistische Herausforderung.