Anfang 2013 schreibt Laura Himmelreich einen Artikel, der sie schlagartig bekannt macht. Einen Artikel über Rainer Brüderle, den "Herrenwitz" der FDP. Viereinhalb Jahre später redet sie über ihren Artikel mit den neuen ems-Volontären. Der Text habe sicher nicht geschadet für den Aufstieg als Chefin von VICE.com Germany.

Denn: Sie habe bewiesen, keine Angst davor zu haben, Diskussionen auszulösen. Beabsichtigt habe sie die Sexismus-Debatte damals aber nicht. Ihr sei es um die Sache gegangen. Klar zu machen, wie man von Männern, in diesem Fall von einem bestimmten Spitzenpolitiker, behandelt werde, wenn man als Frau über Politik berichtet. Dann fragt sie die elf ems-Volontärinnen: „Vielleicht habt ihr damit ja auch schon Erfahrung gemacht?“

Laura Himmelreich ist eine der Journalistinnen, die dem neuen ems-Jahrgang an seinem zweiten Ausbildungstag Fragen beantworten. Fragen nach der Zukunft des Journalismus. Nach den Kriterien, nach denen VICE Themen aussucht. Nach der Relevanz politischer Themen für junge Nutzer. „Zu oft berichten Spiegel, ARD oder ZDF über Machtpolitik“, sagt sie. CDU gegen CSU. Die SPD-Kanzlerkandidatur. Oder die Spitzenkandidaten der Grünen – wer könne sie auf Anhieb schon beim Namen nennen, wen beschäftige das wirklich am Frühstückstisch? Bei VICE werde vor allem thematisch über Politik berichtet. Inhalte statt Machtfragen. Das sei auch für junge Nutzer interessant.

Stern-Herausgeber Petzold: WhatsApp-Gruppe „Gabriel-Interview“

Thomas Walde, stellvertretender Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios, sieht das ein wenig anders. Wenn etwa Katarina Barley Familienministerin werde, zeige das eben auch, dass sie als SPD-Generalsekretärin nicht vollends erfolgreich gewesen sein könne. Und dass das Willy-Brandt-Haus Fehler bei der Kampagne von Martin Schulz gemacht habe. Manchmal müsse man eben auch über Posten und Machtfragen berichten, um Zusammenhänge zu erklären. Die ZDF-Sendung „Berlin direkt“ berichte aber immer auch über Sachthemen. Und für Nachwuchsjournalisten und Volontäre im ZDF gelte: Für ihre Themenvorschläge sei er immer offen. Welpenschutz gebe es in der Redaktion zwar nicht. Aber wer ein gutes Thema vorschlage und dafür kämpfe, könne es gerne umsetzen. 

 

Kontrovers diskutieren die Volontäre des neuen Jahrgangs mit stern-Herausgeber Andreas Petzold. Hat sich der stern von Sigmar Gabriel instrumentalisieren lassen, als er ihn Anfang des Jahres den Verzicht auf die SPD-Kanzlerkandidatur erklären lässt? Die Kritik weist Petzold zurück. Verweist darauf, wie ergiebig, wie politisch dicht das Interview gewesen sei. Berichtet, dass es lange vorbereitet war. Dass er und die Redaktion sich in einer WhatsApp-Gruppe auf dem Laufenden gehalten hätten. Und dass das Interview natürlich ein Scoop für den stern gewesen sei: 40.000 Exemplare mehr als üblich habe die Ausgabe an den Kiosken verkauft. Für die Marke stern sei das wichtig gewesen.

Ex Twitter-Manager Umlandt prognostiziert das Ende von Twitter

Sechs Gäste kommen an diesem zweiten Tag der Volontärsausbildung an die ems. Profis aus den Bereichen Fernsehen, Radio, Online und Print. Das Gesprächsformat, das Ausbildungsleiterin Sigrid Reuter erfunden hat, ist noch neu. Es soll den Volontärinnen und Volontären die Gelegenheit geben, mit Machern die Herausforderungen der Zukunft zu besprechen. Auch die beiden ems-Absolventen Sabine Vossen (Antenne Brandenburg) und Martin Adam (Inforadio) geben Auskunft über ihre Aufgaben als Reporter und CvDs. Und sie sprechen darüber, was sie während ihres ems-Volontariats gelernt haben. 

 

Den Anfang macht Michael Umlandt. Bei Twitter Deutschland war er einst für TV-Ereignisse zuständig, für Germanys Next Topmodel oder Wetten, dass..? Inzwischen hat Twitter Deutschland das Büro in Berlin geschlossen. Für Umlandt ein Zeichen dafür, dass Twitter in Deutschland vor dem Aus stehe. Journalisten sollten das soziale Netzwerk aber dennoch erst einmal weiter nutzen. Aber sie sollten nicht immer nur andern Journalisten folgen, sagt er. Auch mal Youtubern und ihren Fans. So komme man raus aus der eigenen Filterblase.