Akku und Speicherkarte in die handliche Kamera einlegen, Mikrofon einstellen und schon sind sie zu journalistischen Höchstleistungen bereit  - die VJ. Als sogenannte Videojournalisten sind sie nämlich Tonmann, Kamerafrau und Autor in einem. ems-Absolvent Robert Ackermann hat gemeinsam mit anderen VJ die „Berlin Videographers“ gegründet und erzählt im Interview, warum VJ trotzdem gar nicht immer allein arbeiten müssen.

Robert Ackermann
ems-Absolvent Robert Ackermann

Wer seid ihr?

Wir sind ein Zusammenschluss von erfahrenen Videojournalisten, Autoren und auch Kameraleuten aus dem Filmbereich. Viele arbeiten parallel noch bei bekannten Medienmarken. Ich zum Beispiel war lange fest im Videoteam von Spiegel Online. Andere waren bei Welt Online oder sind für den RBB unterwegs, was ja auch nahe liegt, weil wir mit Katja Döhne, Philipp Katzer, Antonia Schanze und mir einige ems-Absolventen dabei haben.

Was macht ihr?

In erster Linie drehen wir Reportagen, Nachrichtenbeiträge, Interviews, zum Teil aber auch Promo- oder Content-Marketing-Filme. Unser Ansatz dabei ist, immer starke Geschichten zu erzählen und nicht bloß gute Bilder einzufangen. Auf Wunsch produzieren wir auch 360-Grad-Videos oder setzen Videodrohnen ein.

Wir bekommen viele Anfragen aus den USA oder dem europäischen Ausland. Deswegen recherchieren wir auch Locations und Interviewpartner für Auftraggeber und bieten klassische Fixer-Dienstleistungen an. Viele von uns arbeiten ja schon seit Jahren als Journalisten in Berlin und haben entsprechend Erfahrung und Kontakte. Gerade haben wir zum Beispiel eine Woche lang für eine große amerikanische NGO eine Geschichte über Flüchtlingshelfer gedreht.

Wer sind eure Kunden?

Wir bekommen ganz unterschiedliche Anfragen. Da gibt es zum einen klassische Redaktionen, die Geschichten aus Berlin oder dem Umland erzählen wollen, aber auch Startups, NGOs, Stiftungen oder Universitäten, die z.B. Events abbilden wollen. Auch Musiker oder Künstler haben sich schon gemeldet für Performances oder Musikvideos.

Warum ist es wichtig ein VJ-Netzwerk zu haben?

Viele VJs wollen heute flexibel sein, die Redaktionen stellen außerdem nur noch selten fest ein und bezahlen oft nicht angemessen. Da ist es sinnvoll, wenn man sich zusammentut und weitere Kundenkreise erschließt. Außerdem ist es spannend, mit internationalen Auftraggebern zusammenzuarbeiten. Man bekommt andere Einblicke und eine neue Sicht auf Berlin und Deutschland und das, was hier passiert.

Die Videojournalistin kniet in der Antarktis hinter einer Kamera
VJ bei der Arbeit - auch mal in der Antarktis

Wie hat euch die ems auf die Arbeit als VJ vorbereitet?

Da kann ich nur für mich sprechen. Die ems hat mich konsequent multimedial ausgebildet und ein Gespür dafür vermittelt, auf was es bei Videobeiträgen ankommt. Zum einen haben wir gelernt, technisch sauber mit der Kamera zu arbeiten, zum andern aber eben auch gute Geschichten zu recherchieren und diese möglichst kreativ zu erzählen. Beim Seminar "Andere Bilder" haben wir zum Beispiel viel darüber nachgedacht, wie man einen akademischen Experten bildlich stark inszenieren kann, ohne dass er die obligatorischen Akten aus dem Regel zieht.

Was sind Vorteile an der Arbeit als VJ? Was sind Nachteile?

Ich bin ein großer Fan des Konzepts VJ. Man ist viel flexibler und kommt bei vergleichbarer Qualität den Protagonisten oft näher als mit einem EB-Team. Allerdings empfehle ich Kunden häufig, ein VJ-Zweier-Team zu buchen. Beide Teammitglieder denken technisch und inhaltlich mit und ziehen so viel stärker an einem Strang. Außerdem finde ich die VJ-Ästhetik oft sehr ansprechend, weil sie unkonventioneller ist als das, was viele EB-Teams machen. Wenn ich von VJs rede, meine ich allerdings nicht die Leute, die einmal einen Zwei-Wochen-Crashkurs gemacht haben und sich dann so nennen. Man braucht schon viel Erfahrung, um sauber und ansprechend arbeiten zu können.