Eine 360-Grad-Kamera ist zu sehen, im Hintergrund ein Haus, dahinter ein Kraftwerk
Neue Technik vor historischer Industrie

Der 10. Volontärsjahrgang der ems ist am Ende seiner Ausbildung. Doch bevor es in das aufregende Journalistenleben geht, haben die Volontär*innen noch einmal all ihr Wissen und ihre Energie in ihr Abschlussprojekt gesteckt: "Auf heißen Kohlen. Das 360°-Filmprojekt". Mittelpunkt des Projekts ist der Strukturwandel in der Lausitz. 

Kohle in der Lausitz

Eine Volontärin steht mit einer 360-Grad-Kamera auf einem Gerüst
Volontärin Ariane Böhm im Tagebau

Nach Nordrhein-Westfalen ist die Lausitz das zweitgrößte Braunkohlerevier Deutschlands. Rund 8.000 Menschen sind direkt beim Vattenfall-Nachfolger LEAG beschäftigt. Doch die LEAG zählt nicht nur zum größten Arbeitgeber der Region. Sie ist zugleich auch einer der wichtigsten Stromlieferanten für Berlin und Brandenburg, denn beide Länder decken jeweils rund 60 Prozent ihres Strombedarfs über Kohle ab.

Doch Umweltschützer kritisieren diese Form der Stromerzeugung. Denn bei der Verbrennung der Braunkohle entsteht CO2, das wiederum zur Klimaerwärmung beiträgt. Außerdem hinterlässt der Abbau weitreichende Spuren in der Landschaft: die Spree verockert durch den veränderten Grundwasserspiegel und der Tagebau hinterlässt unwirtliche Kraterlandschaften. Nicht zuletzt mussten auch immer wieder Menschen ihre Heimat verlassen, um den voranschreitenden Tagebauen Platz zu machen. 

Wenn die Bagger stillstehen

Doch die Lausitz befindet sich im Wandel, ein weiter wie bisher gibt es nicht. In wenigen Jahrzehnten ist die Region „ausgekohlt“, das heißt, es wird keine rentablen Braunkohlevorkommen mehr geben. Während Klimaschützer*innen jubeln, haben viele Lausitzer*innen Angst: Wie soll es in der sonst strukturarmen Region weitergehen?

Dreh mit 360°-Kamera

Eine 360-Grad-Kamera
Nur eine der Kameras, die beim Dreh zum Einsatz kamen

Die Volontär*innen sprechen mit Befürwortern und Gegnern der Braunkohle, mit Forschern für erneuerbare Energien und mit umgesiedelten Lausitzern*innen. Welche Chancen bietet der Braunkohleabbau? Und welche Schwierigkeiten bringt er mit sich?

All diesen Fragen begegnen die Volontär*innen mit einer der neuesten Technologien. Sie erzählen die Geschichten in bildstarken 360°-Videos, gedreht mit der GoPro Freedom 360 Mount, der Kodak Pixpro und der Samsung Gear 360. 

Abtauchen in virtuelle Realitäten

Ein Mann steht in einem Fluss und wird dabei von einer Frau vom Ufer aus gefilmt
Phänomen der verockerten Spree

Den Strukturwandel machen sie so mit Virtual Reality-Technologie erlebbar. Mit Hilfe sogenannter VR-Brillen können sich die Zuschauer*innen in der von den 360°-Kameras eingefangenen Welt umschauen: Sie betrachten die mächtigen Tagebaue von Innen, blicken von einer ehemaligen Abraumförderbrücke auf einen neu gefluteten See oder fliegen über die wüstenähnliche Tagebaulandschaft.

Durch die neue Präsentationstechnologie werden die Zuschauer*innen selbst zu den Gesprächspartner*innen der Interviewten. Fast greifbar sind die Landwirtin in ihrem Kuhstall, der Umweltschützer an der braunen Spree und der umgesiedelte Lausitzer in den Ruinen seines ehemaligen Dorfes.

 

Bei der Präsentation des Abschlussprojekts sah das dann so aus:

 

 

Medienpartner WELT und rbb24

Susanne Dickel (li.) hilft beim Dreh

ems-Trainer Martin Heller und ems-Trainerin Susanne Dickel begleiten das Projekt mit ihrer Expertise. Beide haben bereits mehrere Dutzend 360°-Filme gedreht und gemeinsam die Produktionsfirma intoVR gegründet. Das Unternehmen produziert 360°-Filme weltweit und wurde mehrfach ausgezeichnet. Martin Heller gibt regelmäßig Workshops zu Virtual Reality Content, Susanne Dickel hat als VR-Journalistin in den vergangenen Jahren u.a. 360°-Reportagen in Serbien, Frankreich und Griechenland produziert.

Inhaltlich und journalistisch hat ems-Trainerin Katrin Röger das Abschlussprojekt begleitet. Sie ist Verantwortliche Redakteurin bei zibb und hat bereits im TV-Block mit den Volontär*innen zusammengearbeitet.

Die fertigen 360°-Filme und begleitende Artikel werden in Kooperation mit welt.de, rbb24 und auf einer projekteigenen Website veröffentlicht.  

Gefühl für die Region durch Virtual Reality

Der Hauptfilm von "Auf heißen Kohlen. Das 360°-Filmprojekt."

"Auf heißen Kohlen. Das 360°-Filmprojekt." lässt die Zuschauer*innen direkt am Ort des Geschehens eintauchen: Wie fühlt sich die Region an? Welche Geschichten gibt es dort zu entdecken? Und auch: "Was wäre wenn...?" Für diese Frage haben die Volontär*innen den Schauspieler Andreas Stadler engagiert. Mit ihm haben sie spielfilmartige Szenen gedreht, die als wiederkehrende Elemente durch den Film führen.

 

Das ganze Projekt gibt es auf www.360lausitz.de zu sehen. Dort sind der 11-minütige Hauptfilm sowie weitere Kurzfilme zu sehen.