| Leon Stebe |
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Leon Stebe berichtet aus Brüssel für die ARD - vor allem für rbb, HR, SR und radio bremen. Er macht Reportagen aus Belgien, Luxemburg und den Niederlanden. Besonders kümmert er sich in seinen Berichten um die Europapolitik und um die NATO.
11.10.2011 Leon, wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Dir aus? Jeder Tag ist gleich. Zumindest am Anfang. Ich hole mir einen Kaffee und ein Croissant und warte auf den Brüsseler Bus, der selten pünktlich kommt. Im Studio schaue ich dann in die Agenturen, verschaffe mir einen Überblick über die wichtigsten Geschichten in den Zeitungen. Was könnte für Europa interessant werden? Was passiert in meinem Berichtsgebiet? Welche Diskussionen laufen in Deutschland, die auch eine europäische Dimension haben? Dann klingeln meist schon die Telefone. Radiowellen melden ihre erste Live-Gesprächswünsche an. Jeden Tag um 12.15 Uhr lädt die EU-Kommission zum Mittagsbriefing. Die wichtigsten Fragen des Tages werden geklärt. Meist ergibt sich hieraus auch eine Geschichte für die Nachmittagssendungen. Am frühen Nachmittag klären wir im Studio, ob es sich lohnt, einen Bericht für den nächsten Morgen anzubieten. Dazwischen Recherchen, Interviews, Hintergrundgespräche - und viel europäisches Flair in einer tollen Stadt... Was war das aufregendste Erlebnis in Deiner bisherigen journalistischen Arbeit? Das Aufregendste passiert gerade. Der EURO-Raum muss den EURO retten. Da folgt ein Krisengipfel dem anderen. Und niemand weiß, was als nächstes kommt. Ist Griechenland wirklich gerettet? Könnten auch andere Staaten in eine massive Schuldenkrise geraten? Könnte Europa daran sogar zerbrechen? Wir sind gerade in einer Phase, in der es um das grundsätzliche Fundament der Europäischen Union geht. Es ist zwar anstrengend, aber aufregend zugleich. Weil wir immer wieder vor der Frage stehen: Was ist uns Europa wert? Viele sprechen daher von einem Scheideweg, vor dem der Kontinent steht. In Brüssel ist es wirklich spürbar, dass es in Europa ums "Eingemachte" geht. Nicht nur an einem Tag, sondern es ist ein langer Prozess. Und diesen Prozess zu begleiten, macht die Zeit gerade so einzigartig. Im Moment bin ich wohl an einem der spannendsten Korrespondentenplätze, den die ARD zu vergeben hat. Was hast Du an der ems gelernt? "Schicke niemals etwas über die Antenne, was Du selbst nicht verstehst." An diesen Satz erinnere ich mich gerne. Er ist in der Theorie so selbstverständlich. In der Praxis ist er aber alles andere als leicht umzusetzen - zumindest hier in Brüssel. EU-Verordnungen oder Richtlinien können nämlich ziemlich dröge und vor allem ziemlich kompliziert sein. Staats- und Regierungschefs können auf EU-Gipfeln viele schöne Dinge erzählen, die sich aber eigentlich widersprechen. Urteile des Europäischen Gerichtshofs können ziemlich folgenreich für die Nationalstaaten sein. An der ems habe ich gelernt: im Zweifel einmal mehr nachfragen, damit nicht nur ich es verstehe, sondern auch der Zuhörer. Wenn Du an Deine Zeit an der ems zurückdenkst, was fällt Dir da spontan ein? Ein engagiertes ems-Team, das die Ausbildung von Nachwuchsjournalisten nicht nur als Notwendigkeit sieht, sondern als leidenschaftliche Herausforderung. |



