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Björn Tritschler

Recherchieren, Drehen, Interviewen, Schneiden: Als Video-Journalist (VJ) macht Björn Tritschler das alles alleine, ohne Team. Seine Themen reichen vom Sorgerechts-Kampf einer Mutter bis zum Snowboard-Test in den Alpen - und haben immer eine eigene Handschrift. Das Berufsbild VJ ist neu - und gefällt nicht jedem Kollegen.

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Björn, wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Dir aus?

Das ist das Schöne an meinem Job – es gibt keinen typischen Arbeitstag. Mal stehe ich um 4 Uhr morgens auf und arbeite bis um zehn Uhr vormittags, mal geht es von Nachmittag bis Mitternacht. Manchmal drehe und schneide ich an einem Tag, und manchmal drehe ich zwei Beiträge an einem Tag und schneide erst Tage später. Typisch an meinen Arbeitstagen ist nur, dass nichts typisch ist.

Was war das aufregendste Erlebnis in Deiner bisherigen journalistischen Arbeit?

Das Schönste sind eigentlich Geschichten von Menschen: Ich kann mich noch an die Begeisterung, das Lächeln eines älteren Triathleten erinnern, der sich bei den über 60-jährigen für den Ironman auf Hawaii qualifiziert hatte. Wie er mir seine Leidenschaft für diese 20-stündige Quälerei erzählte – unvergesslich. Ich habe mal Monate nach einem Dreh einen Brief einer 80jährigen Läuferin bekommen. Sie wollte sich nur bedanken. Der Beitrag hat ihr gefallen. Das mag banal klingen – ist aber schön.

Was magst Du an Deinem Job besonders?

Die vielen neuen Herausforderungen. Ich mag die Spontaneität, Kreativität und Flexibilität, die der Job verlangt. Jeder Auftrag entwickelt sich anders, dahinter steckt immer eine eigene Geschichte. Die einzige Routine, die ich entwickelt habe, ist die: Gelassenheit bewahren. Panisch lässt es sich nicht schneller oder gar besser arbeiten! Und bitte nie vergessen: Wir machen „nur" Fernsehen und retten nicht die Welt.

Bist Du billige Konkurrenz für Kamerateams?

Ein Vorwurf, den wir VJs oft zu hören bekommen – und der in gewisser Hinsicht auch stimmt. Denn ja, ich bin billiger als ein Kamerateam. Die entscheidenden Fragen für meine Einsätze als VJ sind allerdings: Kann das ein Team wirklich gut leisten? Und muss es für jeden Job ein Team sein?

Zwei Beispiele:

Erstens: Als Reporter bin ich oft mit Team für Nachrichten-Filme raus gefahren. 30 Sekunden Bild ohne Interview – und der Tonassistent trägt das Stativ. Ob das Sinn ergibt, darüber lässt sich herrlich diskutieren.

Zweitens: Ein Camp in den Alpen mit einer Gruppe Berliner Snowboarder. Es schneit, es ist kalt und es gibt meterweise Tiefschnee. Die Gruppe will keine Zeit vergeuden, sondern Spaß haben. Also muss es schnell gehen. Helm-Kamera befestigt, kleine VJ-Kamera in den Rucksack – und los geht's. Abgesehen davon, dass das Thema mit Team schon wegen der Reisekosten gestorben wäre - mit einem Team hätte ich auch niemals so flexibel und schnell drehen können. Die Gruppe wollte kein Extra-Team um sich rum, sondern jemanden, der quasi zu ihnen gehört. Als VJ habe ich diese Nähe aufbauen können. Letztlich wurde ich nicht als der Fernsehmann wahrgenommen, sondern als Teil der Gruppe. Ist ne schöne Geschichte geworden – mit Hammer-Bildern aus dem Schnee!

Was hast Du an der ems gelernt?

Kritikfähigkeit! Mann, haben die mir die Zähne bei dem Thema gezogen! Und da bin ich so froh darüber. Es war so ehrlich, direkt und auch knallhart. Am Anfang dachte ich: das überlebst Du nie. Ist aber gut gegangen! Und davon profitiere ich noch heute...

Wenn Du an Deine Zeit an der ems zurückdenkst, was fällt Dir da spontan ein?

Die Intensität! Was habe ich geflucht zwischendurch, über die viel zu langen Arbeitstage, komische Dozenten, die lange S-Bahn-Fahrt sowieso, Extraschichten, übers Überwinden müssen, noch mal machen, noch mal machen und und und...

Und was habe ich mich gefreut, über die Es-wird-eine-lange-Nacht-Pizza, das Zwischendurch-Bier, die gemeinsame Feierabend-S-Bahnfahrt, die Grillabende und über meine Entwicklung. Ja es war sehr Intensiv. Und gut.

Björn Röder war ems-Volontär im 3. Jahrgang.

tfb

Arbeitsprobe von VJ Röder: Tischfußball

 
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