Lunch mit Claus Kleber

Magdeburg, Mainz, London, Paris: Die 16 ems-Volontäre sind zur Zeit mitten in ihrem vierten Redaktionstraining. Jeder arbeitet fünf Wochen lang in einer Redaktion seiner Wahl, in Radio, TV, online. Diese kurzen Meldungen von den Volontären zeigen, wie vielfältig und spannend Journalismus sein kann.

25. Mai 2012

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Paris – die gefühlt teuerste Stadt der Welt. 20 Arrondissements und eine Stadt, die Aufregung verspricht. ARD-Hörfunkstudio. Schickes Gebäude, in unmittelbarer Nähe der berühmten Champs-Élysées. Zum ersten Mal Auslandskorrespondent. Eine Studioleiterin, Einzelbüro. Keine Konferenzen, keine Redaktionshektik. Morgens als erstes ein grand café.  Zudem Frankreich in einer unglaublich spannenden Zeit. Gleich an meinem ersten Tag heißt es: Au revoir, Nicolas Sarkozy. Amtsübernahme von François Hollande. Ich bin im Élysée-Palast mit dabei. Verfolge Hollandes Fahrt auf den Champs-Élysées bis zum Grabmal des unbekannten Soldaten am Arc de Triomphe. Menschen, die ihm zujubeln und mir von ihren Erwartungen und Hoffnungen erzählen. Wieder im Studio: Töne anhören, übersetzen, overvoicen. Eine Reportage fürs Radio machen. Am Ende das gleiche wie in Deutschland. Voilà.

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Tag 1: In Ehrfurcht erstarrt, als ich Frau Slomka die Hand gab. Kaum erkannt und doch gefreut. Smalltalk und Abendessen mit Heinz Wolf. Gearbeitet wird hier natürlich auch – Dossiers erstellen für die Moderatoren, Anmoderationen gegenlesen, korrigieren (!), recherchieren für Claus Kleber, Planungssitzungen – ein Traum, wenn man vom reinen Filmemachen nach der harten ems-Zeit erst einmal erschöpft ist und bei DER Nachrichtensendung mitmachen darf....

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"Gleich kommt Claus Kleber."

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Am gefühlt wärmsten Tag des bisherigen Jahres drehe ich mit SPON-Video-Kollege Thies Schnack im Tropenhaus "Gondwanaland" des Leipziger Zoos. Helmholtz-Forscher vermessen hier zurzeit im Langzeitversuch einen Feigenbaum. Aus den Daten entsteht ein faszinierendes 3D-Waldmodell - wichtig für die Klimaforschung.
Die Totenkopfäffchen im "Gondwanaland" forschen auch. Sie haben uns einen Mikrofon-Windschutz geklaut und außerdem eine dentale Blutprobe von Kollege Thies Schnack (#ems3) genommen. Ansonsten läuft es bei SPON ganz gut. Lange Recherchen, seltener die Chance zum Drehen. Die Redaktion in Hamburg ist nicht leicht zu überzeugen - selbst wenn es um Themen wie den lange erwarteten Verkaufsstart des Knaller-Spiels "Diablo 3" oder Klaus Wowereits Beichte vor dem Berliner Untersuchungsausschuß geht. Etwas zäh, aber lehrreich. Und zum Glück ist Kollege Justus auch da.

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@Sebastian: Ganz gut zusammengefasst. Was soll ich da noch hinzufügen? Ach ja: Das Team bei SPON Video ist verdammt locker flockig drauf und besteht sowieso zur Hälfte aus ehemaligen ems-lern. Glück gehabt.

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Tolles Praktikum. Am zweiten Tag kam Meldung vom verspäteten Flughafen. Damit war alles anders... Habe noch nie so zeitaufwändige Recherchen machen können, wie in den letzten Wochen, habe mich mit Informanten zu Hintergrundgesprächen in Hotellobbys getroffen, habe Dokumente "zugespielt bekommen" und anonyme Quellen geschwärzt. Die Kollegen sind super nett und der Redaktionshund lustig. Ich nenne ihn einfach "Hund" (um seine Anonymität zu wahren)... :) Bis jetzt das Tollste: Ein Beitrag für Frontal21

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"Ein Beitrag für Frontal21!"

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Ein Beispiel: Keine Zukunft für Zukunftstechnik – eine Berliner Solarfirma ist insolvent. Mitarbeiter der Produktion kämpfen um ihre Arbeitsplätze, mit einer Kundgebung. Und ich bin für die Abendschau mittendrin. Die Politik streicht Subventionen, die Konkurrenz aus dem Ausland produziert zu Dumpingpreisen - ich rede mit enttäuschten Mitarbeitern, einem besorgten Vorstand und einem sachlichen Insolvenzverwalter. Viele Emotionen und harte Fakten - und am Abend mein Beitrag in der Abendschau. Ick freu mir wie Bolle, hier zu sein!

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Erstmal: Die Kollegen hier in Potsdam sind fantastisch! Ich erlebe Redaktionsalltag mit wenig Tiefen und vielen Höhen – darunter auch eine Rekordquote für zibb, die mit Sekt gefeiert wird. Leider war in der besagten Sendung kein Beitrag von mir, aber natürlich habe ich mich trotzdem gefreut, ich bin ja sportlich. Entschädigt wurde ich mit Dieter Hildebrandt. Dem habe ich zum 85. Geburtstag einen Beitrag geschenkt - und mich beim Sichten hunderter Minuten Archivmaterial prompt in ihn verliebt. Ansonsten ist meine derzeitige Quelle der Inspiration der Hertha BC. Beim „Skandalspiel“ hatten ich und die Fans die Freude, dass ich in einer Berliner Fankneipe war und meine Fragen immer dann gestellt habe, wenn Düsseldorf ein Tor schoss oder Hertha gelb-rot bekam. Ja, man macht sich nicht immer beliebt in diesem Beruf, aber auch die Herthaner waren – zu meinem Glück – sehr sportlich.

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Magdeburg. Ich höre jetzt MDR1 Sachsen-Anhalt und beginne den Tag mit Wolfgang Petri. Das bringt mich in die wohlige Regional-Stimmung, die es braucht für Sachsen-Anhalt-Heute – das zibb des MDR.  Die Kollegen reden lustig. Ich versuche, möglichst gefärbt zu sprechen, Meiner, und bekomme schnell den ersten Auftrag: „Wie sieht‘s denn mit Alpakas aus bei dir Janna?“ Eine Fangfrage? Alpakas, sind das die Basketball-Frauen aus Halle? Tiergarten Halberstadt – Pauline, Max und Moritz sind meine ersten Protagonisten. Wollige Paarhufer aus den Anden und sie müssen rasiert werden. Es ist der Top-Termin des Tages in der Region und ich darf hin. Ich bin ganz nah dran, reportagig, und mache 1:30. Volltreffer: Alle wollen mein Material. Noch Tage später sehe ich Pauline und ihre Brüder im rbb. Es läuft. Man schickt mich zu Tieren, Kindern und Reiner Haseloff. Einmal werde ich angespuckt. :D.

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Ich berichte unter anderem aus Den Haag. Radko Mladic vor dem Jugoslawien-Tribunal. Die Mütter von Srebrenica stehen davor und hoffen, dass der 70-Jährige sein Urteil noch mitbekommt. Schlimme Geschichten, von denen die Frauen berichten. Wie aus Ehefrauen Witwen wurden, von ihren Söhnen nicht einmal mehr sterbliche Überreste blieben. Und Mladic: Sitzt dummgrinsend im Gericht und tut so, als hätte er mit all dem nichts zu tun. - Und sonst? EU-Gipfel steht bevor. Da heißt es Statements sammeln. Und Steak essen. Das lässt Präsident van Rompuy für die Journalisten springen. So läuft das in Brüssel.
 
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„bin ich WICHTIG!“

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Das SWR-Hauptstadtstudio besteht aus zwei Büros in Berlin: Eins für Baden-Württemberg und eins für Rheinland-Pfalz. Es ist sehr spannend, beim Pressefrühstück Rainer Brüderle kennen zu lernen, auf der Tribüne im Bundestag zu sitzen oder den ein oder anderen Minister zu interviewen. Am aufregendsten war bisher der Rauswurf von Norbert Röttgen, der hier im Hauptstadtstudio für Wirbel gesorgt hat, samt zusammenbrechender Leitungen. Ich durfte die Dramatik des Tages in einem Beitrag für "Baden-Württemberg aktuell" zusammenfassen.

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Jeder zweite Beitrag, den ich hier mache, hat mit Olympia zu tun. Und es gibt jede Menge spannende Themen. Zum Beispiel geldgierige Vermieter, die ihre langjährigen Mieter vor die Tür setzen, um während der Spiele mit Touristen und Sportlern Geld zu machen. Die verrückteste Miete, von der ich gelesen habe, betrug 60.000 Pfund – pro Woche!  Dazwischen habe ich über die hohe Sterberate der Pubs in England berichtet, eine Glosse über den olympischen Fackellauf gemacht, und gestern war Amnesty International dran. Heute: Christopher Lee und sein 90. Geburtstag. Ab nächster Woche wieder Olympia.

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Gleich mein erster Beitrag an Tag zwei ist eine Vollkatastrophe, ich höre zum ersten Mal den Satz "So wie er jetzt ist, geht er gar nicht." Der Redakteur mit seiner sanften Stimme. Ich lerne, mit der Niederlage umzugehen. Am Tag drei läuft er dann aber, mein erster Beitrag. Den zweiten hört meine Mutter zufällig im Auto und verursacht vor lauter Freude (Schreck?) beinahe eine Kollision. Toll! Es gibt hier immer was zu tun, das ist toll. Jetzt mache ich einen Beitrag über Freiluftkinos. Mit quakenden Fröschen, laut und wonnig. Ich verliebe mich wieder ein bisschen ins Radio.

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"Herr Förster macht den alten Projektor klar. Die alten Dinger wird es nicht mehr lange geben, sagt er, "der Film stirbt". Weil Herr Förster aber so nuschelt, kommt er leider nicht in den Beitrag. Und wir wollen ja auch nicht nostalgisch sein .."

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Willkommen bei der Hochkultur! „Kulturzeit“ auf dem eleganteren Nebengelände des ZDF in Mainz. Habe den ex-RAF-Anwalt und Justizminister von Hessen, Rupert von Plottnitz, zu Blockupy interviewt, Kultur-Tipps produziert und fahre morgen ins Mainzer Rathaus, um über die Städtepartnerschaft von Mainz und Baku zu berichten. Am Samstag geht’s nach Würzburg zum Africa-Festival, wo ich zwei Tuareg zur Situation in Mali befrage. Wird mein erster 6-Minüter. Wow! Darf auch mal Fremdwörter in Beiträgen verwenden. Dafür habe ich erstmals im Bereich Fernsehen mit dem schwerfälligen öffentlich-rechtlichen System zu tun... Aber: Ich betreue meinen ersten Praktikanten!

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radioeins ist noch härter als die ems. Das war letzte Woche: Ich jage die Medienraupe, den Eichenprozessionsspinner. Bin dafür mit einem Hubschrauberpiloten verabredet, doch der versetzt mich. Fahre zu einer Jamaikanischen Tanzgruppe, für Bandportraits zum Karneval der Kulturen. 4 Stücke sollen es werden. Bis Freitag. Dienstag schneiden, noch eine Gruppe treffen und abends in eine Hertha-Kneipe gehen. Relegationsspiel gucken. Der Abend wird legendär. Um 24:00 Uhr stehe ich mit 60 Aufnahmen auf dem Rekorder, einem halben Bier und einem großen Fragezeichen im Kopf vor der Bar. Und nun? 3 Stunden später: Wieder in Potsdam, bereite mein Studiogespräch vor. Müde. Um sieben taumele ich ins Studio, rede ein bisschen. Taumele wieder raus. Nauen - Karnevalsverein, dann nach Westberlin - noch ein Karnevalsverein. Potsdam.  Himmelfahrt. Alle trinken Bier und ich fahre nach Potsdam. Scheiß Karneval! denke ich mir und schneide alle 4 Stücke auf einmal fertig. Morgen muss alles sendefertig sein. Klappt. Am Freitag finde ich dann sogar den Eichenprozessionsspinner noch und verarbeite ihn zu einer Reportage. Als ich abends endlich in die S-Bahn ins Wochenende steige, denke ich: "Man jetzt bin ich so aufgewühlt, dass ich bestimmt nicht schlafen kann." 30 Sekunden später schlafe ich tief und fest und wache erst am Alex wieder auf. Was für eine Woche!

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Ihr habt wohl alle zu viel Freizeit während eures Praktikums, hier noch groß was zu schreiben! Das Mittagsmagazin wartet auf meinen Beitrag und nach neun Stunden ackern krieg ich noch ne 12-Uhr-Tagesschau für morgen reingedrückt. "Die PK ist morgen um 10, aber das schaffst du. Könnte etwas schwer zu bebildern sein, denk dir was aus." An die Grafikabteilung in Hamburg delegiert. Jetzt nach Hause, schlafen. Morgen wird wieder anstrengend.

                                                                                                                                               JMS