| Stipendiat in Israel: „Eine unglaublich spannende Erfahrung“ |
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ems-Absolvent Dominik Bretsch ist von Berlin nach Ost-Jerusalem umgezogen, lebt nun seit knapp zwei Monaten im Zentrum des Israel-Palästina-Konflikts. Ein halbes Jahr lang möchte er dort bleiben und journalistisch arbeiten – unterstützt von einem Stipendium des ems-Partners Herbert Quandt-Stiftung.
21.11.2011 Dominik, Du bist zum ersten Mal im „Heiligen Land". Was bekommst Du dort von dem Konflikt mit? Man sieht es auf den ersten Blick: An vielen Plätzen stehen Soldaten mit Maschinenpistolen, eine acht Meter hohe Betonwand schneidet sich durch das Land, Kamera-Überwachung gibt es an fast allen öffentlichen Plätzen. Ich wohne direkt neben einer jüdischen Siedlung im arabischen Teil der Stadt. Auch die wird rund um die Uhr bewacht. Aber eigentlich ist es sehr ruhig im Moment. Die Palästinenser sind zwar ziemlich frustriert, sie haben aber gemerkt, dass sie mit Gewalt nicht weit kommen und es ihnen nach jedem Anschlag schlechter ging als davor. Ziemlich deprimierend ist, dass ich bisher niemanden getroffen habe, der auch nur ansatzweise eine Chance für eine Lösung des Konfliktes sieht. Wie frei kannst Du Dich in dem Land bewegen? Im Gegensatz zu den Palästinensern und auch den Israelis sehr frei. Ich kann von Jerusalem nach Ramallah fahren, nach Hebron, nach Bethlehem, alles kein Problem. Am Checkpoint dauert es halt ein bisschen bei der Rückfahrt. Aber während die Palästinenser aussteigen und zu Fuß durch die Kontrolle müssen, kann ich einfach im Bus sitzen bleiben. Israelis gehen so gut wie nie in die palästinensischen Gebiete, es sei denn als Soldaten. Neulich saß mit mir im Bus nach Ramallah eine Israelin, die in Begleitung einer deutschen Praktikantin "undercover" zum ersten Mal nach Palästina gefahren ist. Sie war total ängstlich und aufgeregt: Nicht nur, dass sie befürchtet hat, von den Palästinensern angefeindet oder sogar entführt zu werden; Israelis ist es verboten, in die Autonomie-Gebiete zu fahren. Wenn sie dabei erwischt werden, müssen sie eine hohe Geldstrafe zahlen. Einiges von Deinen Eindrücken gibst Du in Deinem Blog wieder, Jerusalem Posts. Was hast Du außerdem vor? Ich recherchiere gerade für verschiedene Radio- und Fernsehbeiträge. Für Deutschlandradio Wissen mache ich nächste Woche einen Beitrag über eine staatliche Sprachschule, einen sogenannten "Ulpan". Die Kurse dort sind für Einwanderer das Eintrittstor in die israelische Gesellschaft. In nur fünf Monaten sollen sie Hebräisch fließend sprechen, lesen und schreiben lernen. Der Unterricht ist unglaublich straff organisiert und hat etwas von militärischem Drill. Die Lehrerin spricht vor, die Gruppe muss laut im Chor antworten. Das Tempo ist so hoch, dass jemand, der einen Tag verpasst, nur schwer wieder einsteigen kann. Im Ulpan treffen sich Leute aus der ganzen Welt, die mit den verschiedensten Biografien und Motivationen nach Israel kommen: orthodoxe Juden aus den USA und Volontäre aus Deutschland, Konvertiten aus Europa, koreanische Gastarbeiter und russische Unternehmer. Was bringt Dir das Stipendium dabei konkret? Im Februar arbeite ich bei „Palestine News Network" in Bethlehem mit - und im März bei der Deutschen Presse-Agentur in Tel Aviv. Das sind Hospitanzen, die mir die Herbert Quandt-Stiftung vermittelt hat. Die Stiftung unterstützt mit ihrem Journalistenprogramm „Trialog der Kulturen" meinen Aufenthalt hier, wie auch den von drei weiteren jungen Journalisten aus Deutschland. Zum Programm gehören auch Seminare und Reisen im Land – und Treffen mit ehemaligen Stipendiaten. Das ist ein richtiges Netzwerk! Das Beste ist aber, dass es mir durch das Stipendium möglich ist, in Ruhe recherchieren zu können, ohne den Druck, sofort Beiträge verkaufen zu müssen. Es ist eine unglaublich gute und spannende Erfahrung, hier zu leben und zu arbeiten. Das Land ist bis oben vollgestopft mit Geschichten. Im Moment habe ich das Gefühl, dass das halbe Jahr viel zu kurz ist. Auf jeden Fall werde ich wiederkommen! Dominik Bretsch war ems-Volontär im 6. Jahrgang. JMS |



